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Historie

„Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist“

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Jesus v. Nazareth – bestimmt nicht das, was man einen angepaßten Bürger des römischen Staates nennen kann. Im Gegenteil gewaltfreier Revolutionär trifft die Sache wohl am besten. Warum sonst haben die Römer ihn ans Kreuz genagelt? Bestimmt nicht weil er brav seine Steuern gezahlt hat. Und dann sind wir auch schon mitten im Thema: Die Steuerpolitik der alten Römer im damaligen Judäa war alles andere als sanft und großmütig. Letztendlich wurde die römische Provinz durch Pontius Pilatus regelrecht ausgesaugt. Und das widerum führte zu großem Unmut in der Bevölkerung die die verhaßten Römer am liebsten mit Gewalt aus dem Land gejagt hätten. Und das nicht nur wegen der Steuern…

Aber oder gerade in Sachen Steuerreformen waren die Römer schon auf der Höhe der „Neuzeit“. Denn schlechte, undurchsichtige und reparaturanfällige, einseitig den Staat bevorteilende Steuergesetzgebung gab es auch damals schon.

Nicht nur heute wird Steuerpolitik heftig diskutiert. Und unsere Steuerreformen erinnern an ähnliche Versuche seinerzeit im Römischen Senat unter Kaiser Hadrian (117 bis 138). Nachdem Finanzsenator Scaeferius sein Steuerreformpläne im Senat vorgetragen hatte, erwiderte ihm Senator Casparius Folgendes:
„Lobend gleichzustellen ist diese Steuerreform, o Scaeferius, allen Steuerreformen, die da waren, die da sind oder je kommen werden – denn sie ist modern, gerecht, erleichternd und kunstvoll: modern, weil jede der alten Steuern einen neuen Namen trägt – gerecht, weil sie alle Bürger des Römischen Reiches gleich benachteiligt – erleichternd, weil sie keinem Steuerzahler mehr einen Beutel lässt – und kunstvoll, weil du in vielen Worten ihren kurzen Sinn versteckst, nämlich dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und dem Bürger zu nehmen, was des Bürgers ist.“

Und schon immer gab es Bürger die sich wehrten wie unser kleiner steuergeschichtlicher Ausflug zeigt:

Geldeintreiben war und ist der „Lieblingssport“ der Herrschenden seit der Antike.

Ein kleiner steuergeschichtlicher Abriß

5. Jahrhundert n. Chr.: „Als die Steuereintreiber des Merowingerkönigs Chilperich nahten, bemächtigte sich die Menge der Steuerbücher und verbrannte sie;“ berichtet die Chronik. Und des Königs Beamte gleich mit. Beiläufig meuchelte der Mob einige geistliche Herren und pfählte den Abt.

Kein Einzelfall: Quer durch die Geschichte löste die Steuererhebung von Fürsten, Zwingherren und Potentaten immer auch Steuerwiderstand aus. Was nur zu verständlich ist. Kannte die Fantasie der Obrigkeiten, die Untertanen zur Ader zu lassen, doch keine Grenzen. Besteuert wurde alles, was da kreucht und fleucht, läuft, prunkt oder einfach nur vorhanden ist. Jeder Besitz und jede Lebensäußerung wurde genutzt, um Abgaben zu erheben. Besteuert wurden Titel und Ansehen, Jungfrauen und Huren, Vieh und Ackerfrucht, Bier und Wein, die Fenstergröße wie das Straßenmaß des Hauses. Abgabepflichtig waren Grund und Boden, Kutsche und Pferd, Luxus und Genussmittel, Zucker und Salz. Natürlich sind auch die Religion, die Seele, Kind und Kinderlosigkeit willkommene Steuerquellen. Und wer einen Bart trug oder eine Perücke, musste ebenfalls zahlen. Die Ökosteuer ist mitnichten eine Erfindung der Grünen. Schon im 17. Jahrhundert wurden Equipagen nach dem Grad ihrer Umweltbelastung besteuert, nämlich nach Achsmaß oder Zahl der Pferde. Im Württembergischen des Jahres 1789, als die Spatzen sich zu einer Landplage auswuchsen, musste jeder Haushalt ein Dutzend Spatzenköpfe abliefern. Wer zur Vogeljagd zu faul war, hatte zwölf Kreuzer an die Amtskasse zu zahlen. Wer einen Erker oder Balkon an sein Haus baute, musste für die Nutzung des städtischen Bodens eine Art Luftraumsteuer zahlen. Was heute die Abwasserabgabe, war im alten Rom die Steuer auf öffentliche Bedürfnisanstalten – Geld stinkt eben nicht. Eine frühe Form der Rundfunkgebühr ist die Nachtigallensteuer, die Großherzog Ludwig III. von Hessen-Darmstadt ab 1853 erhob. Der betörende Gesang der Vögelein kostete deren Besitzer jeweils fünf Gulden im Jahr. Perücken waren in Preußen mit Summen zwischen zwölf Groschen und einem Taler tributpflichtig. Um die eitlen Steuerhinterzieher dingfest zu machen, ließ der König seine Häscher ausschwärmen: Sie rissen den arglosen Bürgern das Kunsthaar vom Kopfe, um den Lack des Steuersiegels zu erschnüffeln. Auf die gute Nase kam es auch für die preußischen Kaffeeriecher an, denn der Türkentrank war ein Monopol des Königs. Putzig war auch die Mordsteuer: Wenn in einer Gemarkung zu viele gewaltsame Tode festzustellen waren, wurde der Landvogt durch finanziellen Druck gezwungen, für mehr öffentliche Sicherheit zu sorgen. Heutzutage werden zu diesem Zweck die Tabak- und die Versicherungsteuer erhöht. Gute alte Zeiten? Steuerlich betrachtet – keineswegs. Über Jahrhunderte wurden die Menschen bis aufs Blut ausgepresst. Aber auch die Gegenwart kann sich sehen lassen: Hierzulande sind Essen und Trinken abgabepflichtig, der Kaffee, der Tee, Branntwein, Sekt und Wein, das Wasser, das Abwasser und der Regen, die Arbeit, das Sparbuch und die Heizung. Im Kino zahlt man Vergnügungsteuer, in der Kneipe Schankerlaubnissteuer, das stehende Auto kostet Kfz-Steuer, das fahrende Mineralöl- und Ökosteuer. Ein lachender Erbe muss Erbschaftsteuer entrichten, ein Beschenkter Schenkungsteuer und der Zocker Renn-, Wett- und Lotteriesteuer. Auf Zinserträge und Dividenden zahlt man Zinsabschlagsteuer bzw. ab 2009 die Abgeltungssteuer. Hausbesitzer leisten Grundsteuer und kaufen sie sich Grundvermögen Grunderwerbsteuer. Und zu guter Letzt zahlt man dann noch Umsatzsteuer auf so ziemlich jeden Artikel den man kaufen kann.

Die Herrschenden müssen nur ein passendes Gesetz ins Leben rufen und schon geht´s los. Alles eine legale Form des Raubes, wie Kirchenvater Thomas von Aquin schon im 13. Jahrhundert trefflich formulierte.

Und daher haben viele Kriege und Umstürze fiskalische Wurzeln. Als die Römer frech geworden und sich im Teutoburger Wald eine blutige Nase holten – im Jahre 9 nach Christus -, scheiterte Feldherr Quinctilius Varus mit seinem Plan, von den stolzen Germanen Steuern zu erheben. Abgabendruck entzündete die Fackeln so mancher Revolution. Die Bauernkriege waren eine Rebellion gegen die geldgierigen Zwingherren. Im 17. Jahrhundert zerbrach der Zweierbund zwischen Spanien und Portugal, als die Portugiesen sich weigerten, die spanische Vermögensteuer und andere Abgaben zu entrichten. Bei der berühmten „Boston Tea-Party“ im Jahre 1773 stürmten amerikanische Siedler britische Schiffe und kippten den Tee ins Meer. Der Grund: die Stempel- und Teesteuern. Diese fiskalische Party führte zur Loslösung der amerikanischen Kolonien von der britischen Krone. Auch bei der Französischen Revolution von 1789 entzündete Steuerdruck die Fackel des Aufruhrs. Es ging um die drückende Salzsteuer (gabelle) und eine Kopfsteuer (taille), für deren Hinterziehung im Revolutionsjahr 2300 Männer, 1800 Frauen und 6600 Kinder auf die Galeeren kamen.

Heute kommen Steuerhinterzieher nicht auf die Galeeren, sondern in die Gazetten. Finanzhistoriker sehen auch für die Oktoberrevolution 1917 die würgende Steuerlast als Hauptursache. Selbst die deutsche Revolution von 1848 begann mit einem Steuerstreik, den die Nationalversammlung ausrief. Kurzum: Die Erdachse ist eine Steuerschraube. Heute gesellt sich zu der Abgabenlast eine chaotische Gesetzgebung. Spötter errechneten, dass rund 60 Prozent der weltweiten Steuerliteratur in deutscher Sprache verfasst sind. „Ich möchte den Deutschen sehen, der noch eine ehrliche Steuererklärung abgibt. Wer sich gesetzestreu verhält, muss sich manchmal wie ein Idiot vorkommen“, befand einst Roman Herzog. Und: Wenn die Deutschen wüssten, wie sie besteuert werden, wären sie schon längst zu Revolutionären geworden, hat der Finanzwissenschaftler Günter Schmölders die Lage skizziert.